Selbstverteidigungskurse: Stop! lernen, mit Gestik und klarer Stimme.
Selbstverteidigung

Selbstverteidigungskurse – so findest du den richtigen Kurs für dich

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Bist Du auch schon in eine gefährliche Situation geraten, in der Du Dich selbst verteidigen musstest? Oder konntest Du solche Konfliktsituationen bisher meiden? Jedenfalls ist es ratsam einige Grundkenntnisse in Selbstverteidigung zu kennen. Denn Du kannst Dir nie sicher sein, dass Du solchen Konflikten immer aus dem Weg gehen kannst. In unserem Beitrag erfährst Du…

Die Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung scheint in den letzten Jahren immer weiter zu steigen: Rettungskräfte und Polizisten wie auch Polizistinnen werden immer wieder im Einsatz angegriffen, bei Demonstrationen kommt es zu Ausschreitungen, in den Städten häufen sich gerade am Wochenende Messerdelikte. Selbstverteidigungskurse sollen sicherstellen, dass du dich im Notfall wehren kannst.

Aber bieten alle Kurse das Gleiche? Wie sieht es mit Kampfsport und Kampfkunst aus – reicht das nicht auch? Wie findest du Selbstverteidigungskurse, die zu dir passen? Wir haben alle wichtigen Informationen rund um das Thema Selbstverteidigung und Kampfsport /-kunst für dich zusammengetragen und helfen dir, den für dich passenden Kurs zu finden.

Grundlagen: Der Unterschied zwischen Kampfkunst, Kampfsport und Selbstverteidigung

Jeder Kampfsport ist im Grundgedanken aus dem Wissen heraus entstanden, dass Menschen sich im Zweifelsfall selbst verteidigen können müssen. Deshalb gehört bei Taekwondo, Karate, Aikido und Wing Tsun genauso wie bei allen anderen Kampfsportarten die Selbstverteidigung als mehr oder minder stark gerichtete Disziplin neben Kata, Wettkampf und Theoriewissen dazu. Wie stark ausgeprägt die Selbstverteidigung im Training tatsächlich ist, hängt aber vom jeweiligen Trainer oder der Trainerin ab. Kampfsport ist immer zuerst einmal ein Sport, der auf körperliche Fitness, Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit abzielt. Gelehrt wird Kampfsport in Vereinen und in Kampfsportschulen.

Interessierst du dich für Kampfsport, um im Rahmen einer umfassenden sportlichen Ausbildung Selbstverteidigung zu lernen, schau dir den Kampfsport genau an. Tai-Chi beispielsweise legt den Schwerpunkt auf die innere Ruhe, aus der die ganze Kraft resultiert. Beim Taekwon-Do dagegen brauchst du viel Ausdauer und eine gute Portion Kraft und Beweglichkeit, um die mit höheren Graden immer schwierigeren Techniken auszuführen. Karate zielt auf die Konzentrationsfähigkeit ab. Krav Maga dagegen stellte die Selbstverteidigung in den Mittelpunkt.

Ein paar Dinge haben alle Kampfsportarten allerdings gemeinsam: Du baust beim Sport Muskulatur auf, wirst beweglicher und entwickelst Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten. Dieses Vertrauen und das hohe Selbstbewusstsein sind wichtig. Denn strahlst du das aus, wirst du selten in Situationen kommen, in denen du dich verteidigen musst.

Kampfkunst – Kämpfen ohne zu siegen

Die Kampfkunst grenzen wir vom Kampfsport ab. Beim Kampfsport liegt das Ziel immer noch im sportlichen Wettstreit und darin, die Kräfte nach festgelegten Regeln zu messen. Bei der Kampfkunst geht es dagegen mehr um die Körperbeherrschung. Akrobatische Elemente und Show-Kämpfe beeindrucken Trainierende und Zuschauende gleichermaßen. Was Du hier lernst, ist in einer Verteidigungssituation vielleicht nicht sinnvoll einsetzbar. Aber auch bei Kampfkunst lernst du ein hohes Maß an Körperkontrolle, wirst beweglich und trainierst deine Muskulatur. Das mentale Training steht im Mittelpunkt: Du wirst immer wieder an deine Grenzen gehen und sie überschreiten müssen, um die kunstvollen Bewegungen auszuführen. Sportlichen Wettstreit gibt es nicht, Selbstverteidigung spielt keine Rolle.

Was ist Selbstverteidigung?

Selbstverteidigung ist wie der Name schon sagt, sich selbst zu verteidigen, wenn dir Gefahr für Leib und Leben droht. Selbstverteidigungskurse vermitteln dir das nötige Wissen und Können, welche dir im Ernstfall helfen können dich zu verteidigen. Du lernst:

  • Brenzlige Situationen früh zu erkennen und zu vermeiden
  • Dich deeskalierend zu verhalten
  • Körperliche Techniken kennen und anwenden
  • Nicht zum Opfer zu werden und das auch auszustrahlen
  • Wie du genau mit Alltagsgegenständen oder Selbstverteidigungswaffen umgehst

Sportlichen Wettstreit, Siege, Pokale und Gürtelprüfungen gibt es bei der Selbstverteidigung nicht. Und was du tust, wird am Ende nicht allzu kunstvoll aussehen. Auf Show-Kämpfe verzichtest du also auch. Für wirst du in Rollenspielen und Übungskämpfen, in kleinen Tests, im Umgang mit Übungswaffen und Dummys viel üben können. Oft ist der Unterricht durch konkrete Fallbeispiele unterstützt, Multimedia-Vorführungen gibt es hin und wieder auch. In einem guten Kurs lernst du die rechtlichen Aspekte kennen und weißt genau, in welchen Situationen du dich oder andere wie genau verteidigen darfst. Da es sich bei einer aktiven Verteidigung gegebenenfalls um einen Fall von Körperverletzung handelt, ist das ein wichtiger Punkt.

Übung mit Waffen in Selbstverteidigungskursen lernen

Viele Kurse lehren die Selbstverteidigung mit Waffen, wie dem Kubotan oder dem Pfefferspray. Du lernst die Handhabung und die Eigenschaften der Verteidigungswaffe genau kennen. Wie setzt du diese Gegenstände in Gefahrensituationen schnell ein und wie verwendest du sie richtig, ohne dich selbst zu verletzen. Selbstverteidigungswaffen können im Notfall Leben retten. Jedoch wird in den Kursen vorrangig gelehrt, wie du erst gar nicht in gefährliche Situationen gelangst. Vielmehr lernst du dich selbst zu behaupten, um überhaupt nicht als Opfer wahrgenommen zu werden.

Selbstverteidigungskurse als Lebenslange Vereinsmitgliedschaft oder Wochenendseminar?

Selbstverteidigungskurse findest du in allen Formen und Ausprägungen. Von langfristigen Mitgliedschaften in speziellen Schulen über aufeinander aufbauende Trainingsblöcke. Welche von mehreren Wochen Dauer bis hin zum zweistündigen Crashkurs am Samstag Nachmittag gibt es wirklich jede Möglichkeit.

Allerdings sind nicht alle Formen sinnvoll. Um sich wirklich effektiv selbst verteidigen zu können, braucht man viel Übung und Wissen. Im Crashkurs lernst du zwar einige Grundlagen und vielleicht auch die ein oder andere nützliche Technik, die du mit Regenschirm, Chilisoße oder einem Kugelschreiber umsetzen kannst. Aber es ist doch ein Unterschied, ob du etwas in der Theorie kannst und in der Praxis wirklich einsetzt und damit auch noch Erfolg hast. Um den richtigen Kurs zu finden, Trainer oder Trainerinnen kennenzulernen und einen ersten Überblick zu bekommen, sind die Crashkurse ganz gut. Für die umfassende Wissensvermittlung und den Aufbau von tatsächlicher Kompetenz taugen sie allerdings nicht.

Grundlagen brauchen einen Tag

Alleine um die Grundlagen der Selbstverteidigung kennenzulernen, brauchst du schon einen ganzen Tag oder einen Wochenendkurs. Dann hast du das Hintergrundwissen erworben, die Anwendung aber noch nicht ausreichend geübt. Für eine umfassende Fortbildung reicht das also nicht aus – da musst du schon mehrere Wochen kalkulieren. Und nicht nur dein Kopf braucht Zeit, um sich die vermittelten Informationen zu merken. Dein Körper benötigt auch Zeit, um die Bewegungen zu verinnerlichen und im Bedarf ohne Nachdenken und punktgenau abrufen zu können. Kampfsportler und -sportlerinnen schwören sogar auf Training von mehr als zehn Jahren, um verschiedene Techniken instinktiv einsetzen zu können.

Selbstverteidigungskurse für Frauen – sinnvoll?

Die Zahl der Frauen, die bereits während der ersten fünfzehn Jahre ihres Lebens Gewalterfahrungen machen, ist extrem viel höher als die der Männer. Ebenso die Zahl der Frauen, die als Erwachsene häusliche Gewalt, sexuellen oder psychischen Missbrauch erfahren, ist sehr viel höher als die der Männer. Frauen werden häufiger Opfer von Gewalt, und zwar oft wiederholt. Dies spricht definitiv für das Erlernen von Selbstverteidigung für Frauen. Selbstverteidigungskurse für Frauen sind anders aufgebaut als die für Männer.

Denn Frauen und Mädchen sollen:

  • im Kurs nicht retraumatisiert werden
  • vergangene Gewalterfahrungen schonend verarbeiten und reflektieren können
  • aus der Opferrolle herauskommen und künftig als starke, souveräne Person auftreten
  • in einem geschützten Umfeld lernen können, ihren Körper einzusetzen, ohne gleich wieder sexualisiert zu werden

Sprechen einige der Gründe dich an, ist es erstmal sinnvoll, einen Selbstverteidigungskurs nur für Frauen und Mädchen zu besuchen. Bist du so weit gefestigt, dem anderen Geschlecht gegenüberzutreten, spricht auch nichts dagegen, einen weiteren Kurs in einer gemischten Gruppe zu besuchen.

Tatsächlich ist es auch für Frauen und Mädchen, die bereits Gewalterfahrungen sammeln mussten und einen ersten Kurs in Selbstverteidigung gemacht haben eine gute Idee, das Gelernte in einer gemischten Gruppe zu vertiefen. Denn natürlich werden sie im Notfall auch bei Männern zuschlagen, -treten oder sich anderweitig verteidigen müssen. Mit anderen Kursteilnehmern baust du dein Selbstbewusstsein und dein Selbstvertrauen soweit auf, dass du künftig dich selbst schützen kannst.

Selbstverteidigungskurse für jedes Geschlecht und Altersgruppe

Die Kurse finden für jedes Geschlecht und Altersgruppe statt. Die Themenschwerpunkte unterscheiden sich nur in einigen Punkten. Während bei älteren Menschen der Schwerpunkt mehr auf der körperlichen Fitness und der Selbstbehauptung liegt. Ist der Kurs für junge Erwachsene Männer, mehr in Richtung Tritt- und Schlagtechniken fixiert. Der Kurs für Frauen richtet sich ähnlich nach dem der Älteren, der Selbstbehauptung und Abwehr- und Lösetechniken.

Tipp: Es gibt auch spezielle Selbstbehauptungskurse. Diese richten ihren Fokus gezielt auf das eigene Erscheinungsbild und fördern das Selbstbewusstsein und Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen. Selbstverteidigungskurse bieten dafür ein breiteres Spektrum und körperliche Notlösungen.

Jedoch ist es möglich für jede der Gruppen, alle Themenpunkte der Selbstverteidigung kennenzulernen. Dadurch findet man, das richtige für sich heraus und trainiert diese Techniken so lange bis sie verinnerlicht sind. In der Kinder-Selbstverteidigung lernen diese spielerisch, wie sie sich vor Erwachsenen behaupten können, die ihnen schaden wollen. Sie lernen laut “NEIN, oder STOPP” zu sagen, um den Gegner abzuschrecken. Außerdem wird ihnen beigebracht, wie sie gefährliche Situationen schnell erkennen.

Selbstverteidigungsbücher für Frauen

Es gibt viele Bücher über Selbstverteidigung. Insbesondere Selbstverteidigungsbücher für Frauen werden häufig gekauft und bieten die nützliche Hintergrundinformationen und theoretisches Wissen. Dieses wird ebenso benötigt wie die praktische Übung. Nachfolgend haben wir dir ein paar gute Bücher zum Thema aufgelistet. In unserem Archiv speziell über Selbstverteidigungsbücher für Frauen, findest du eine handverlesene Auswahl der besten Bücher zum Thema.

Schwache Frauen?

Es gibt ein paar Kampfsportarten, die auch kleinen und zierlich gebauten Menschen ohne starke Muskeln die Selbstverteidigung erlauben. Es ist kein Geheimnis, dass Frauen eine zartere Anatomie haben als Männer und deshalb rein kräfte- (und oft auch Gewichts-)mäßig unterlegen sind. Wing Tsun, eine Unterart des Kung Fu, nimmt beispielsweise genau darauf Rücksicht. Deshalb wird dieser Sport oft auch als Frauen-Kung Fu bezeichnet. Selbstverteidigung für Frauen zeichnet aus, dass die Techniken

  • ohne großen Kraftaufwand funktionieren und
  • den Angreifer von Anfang an auf Distanz halten

Tipps wie beispielsweise dem Angreifer oder der Angreiferin die Daumennägel in die Augen zu drücken, um kurzfristig das Sehvermögen zu beeindrucken, sind Unfug. Das funktioniert zwar. Aber dazu musst du einen Angreifer oder eine Angreiferin sehr nah an dich heran lassen – sonst kommst du gar nicht an die Augen. Abgesehen davon musst du die Deckung durchbrechen. Die meisten Menschen geben sehr gut auf ihr Gesicht Acht. In Kursen speziell für Frauen muss es immer darum gehen, noch früher zu reagieren. Lässt du einen Angreifer so nah heran, dass du ihm die Augen ausstechen kannst, hat der Kurs sein Ziel verfehlt.

selbstverteidigungskurse stehen hoch im kurs

Gute Selbstverteidigungskurse erkennen

Woran erkennst du nun, ob ein Kurs gut ist oder nicht? Zuerst einmal lernst du in dem Kurs genau das, was dich interessiert. Wenn du keine Waffentechniken lernen willst, ist ein Kurs, der sich nur mit Waffentechniken befasst, nicht der richtige für dich. Es kommt also immer darauf an, was du lernen willst und wie und mit wem du es lernen willst (siehe oben: Selbstverteidigungskurse für Frauen).

Schau dir den Trainer oder die Trainerin genau an: Trainer-Lizenzen geben einen Hinweis darauf, dass die Lehrkräfte wissen, was sie unterrichten. Bei Kampfsport-Angeboten ist eine Mitgliedschaft im Bundesverband des jeweiligen Kampfsports eine sinnvolle Sache, aber kein Muss. Der Hintergrund des Trainers oder der Trainerin können ebenfalls einen Hinweis auf einen guten Kurs geben. Oft kommen diese Menschen aus dem Sicherheitsbereich (Schwerpunkt Deeskalation und Verteidigung) oder aus dem Kampfsport (eher sportliche Schwerpunkte).

Arbeiten Trainierende mit Schulen, Behörden und Institutionen zusammen, spricht auch das für einen qualitativ hochwertigen Kurs. Lass dir das Kursprogramm erläutern: Wie sieht es mit den rechtlichen Aspekten aus, werden die vermittelt? Werden einzelne Kurseinheiten vielleicht sogar von einem Anwalt abgehandelt, oder von einem Beauftragten der Polizei? Das sind Merkmale für einen hervorragenden Kurs, der ins Detail geht.

Übrigens solltest du dich von der Kursgebühr nicht abschrecken lassen. Die muss erhoben werden, denn während des Kurses bist du in der Regel versichert, die Räumlichkeiten samt Duschen und Umkleiden müssen zur Verfügung stehen, und die Unterrichtenden verdienen ihren Lebensunterhalt mit diesen Kursen.

Wo kann ich Hilfe finden?

Gewalt- oder auch Missbrauchsberatungsstellen für Kinder- und Jugendliche gibt es den Verein Prävention Zartbitter zur Förderung des Kinder- und Jugendschutzes gegen sexuelle Gewalt. Frauen finden Hilfe und Rat bei Frauenbeauftragten, in Frauenbüros und bei allen bekannten Beratungsstellen. Erste Anlaufstelle bei Gewalt- oder Missbrauchsverbrechen ist die Polizeiliche Kriminalprävention. Auf ihrer Webseite findet ihr zu unterschiedlichen Gewaltdelikten und auch seelische Fürsorge, direkte Durchwahlnummern.