• Startseite
  • Bücher
Fight Club: Philosophie des Schwertkampfs
12,90 €
bei Amazon

Rezension: „Fight Club – Philosophie des Schwertkampfs“ von Tobias Prüwer

, aktualisiert am

Tobias Prüwer ist ein kurzweiliges, kluges und sehr persönliches Buch gelungen, das zeigt, dass die schärfste Waffe des Fechters immer noch sein Verstand ist. Ein „Fight Club“ der leisen Töne und tiefen Einsichten.

Themengebiet:
Philosophie
Waffen
Format:
Taschenbuch
Autor(en):
von Tobias Prüwer (Autor)
Erscheinungsjahr:
2025
Seitenzahl der Printausgabe:
120
Sprache:
deutsch

Das Schwert ist mehr als nur Stahl und Schärfe. Es ist Symbol, Werkzeug und Lehrmeister zugleich. In seinem neuen Buch „Fight Club – Philosophie des Schwertkampfs“ wagt der HEMA-Trainer Tobias Prüwer den Spagat zwischen historischer Quellenkunde, moderner Kampfkunst-Praxis und philosophischer Reflexion. Wir haben uns für euch durch die 120 Seiten „Denksport“ gefochten.

Autor: Tobias Prüwer
Verlag: Parodos Verlag
ISBN: 978-3-96824-041-1
Umfang: ca. 120 Seiten


Ein ungewöhnliches Kampfkunstbuch

Mit Fight Club: Philosophie des Schwertkampfs legt der Philosoph und Autor Tobias Prüwer kein klassisches Fechtbuch vor. Wer Techniken, Drillpläne oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen erwartet, wird überrascht sein – denn dieses Buch stellt eine grundlegendere Frage:

Was bedeutet Schwertkampf eigentlich?

Prüwer nähert sich dem Thema nicht über Technik, sondern über Denken, Sprache, Kultur und Geschichte. Das Schwert wird hier nicht nur als Waffe verstanden, sondern als Symbol menschlicher Auseinandersetzung, als Werkzeug der Erkenntnis und als kulturelles Erbe, das bis heute nachwirkt.

Gerade deshalb ist dieses Buch für Kampfkunst-Praktizierende hochinteressant.


Das Schwert als kulturelles Denkwerkzeug

Mehr als Stahl und Schneide

Im Zentrum des Buches steht die These, dass das Schwert unsere Kultur stärker geprägt hat, als uns bewusst ist. Unsere Sprache ist voller schwertbezogener Metaphern – wir „ziehen Grenzen“, „kreuzen die Klingen“ oder „kämpfen mit offenem Visier“.

Prüwer zeigt, dass diese Bilder kein Zufall sind. Das Schwert war über Jahrhunderte Werkzeug, Statussymbol und philosophische Projektionsfläche zugleich. Es strukturierte Denken, Gesellschaft und Konfliktverständnis.

Dabei räumt der Autor mit populären Mythen auf:

  • der angeblichen „Blutrinne“
  • romantisierten Ritterbildern
  • falschen Vorstellungen historischer Kampfpraxis

Stattdessen rückt er den realen, funktionalen und zugleich geistigen Umgang mit der Waffe in den Fokus.


Philosophie trifft historische Kampfkunst

Warum wir kämpfen – und warum wir Regeln brauchen

Ein besonders starker Aspekt des Buches ist die Verbindung von Philosophie und historischer Fechtpraxis (HEMA). Prüwer beschreibt den Kampf nicht als chaotische Gewalt, sondern als hochgradig strukturierte Form menschlicher Interaktion.

Dabei geht es um Fragen wie:

  • Warum empfinden wir Freude am kontrollierten Kampf?
  • Was unterscheidet Übung, Spiel und Ernstfall?
  • Welche ethische Rolle spielen Regeln im Zweikampf?

Der Autor greift dabei unter anderem auf Aristoteles zurück und zeigt, wie klassische philosophische Konzepte auf den Schwertkampf übertragbar sind. Kampfkunst erscheint hier als praktische Philosophie, als Denken mit dem Körper.


Relevanz für moderne Kampfkünstler

Warum dieses Buch zur Kampfkunstwelt gehört

Für Leserinnen und Leser von Kampfkunstwelt ist Fight Club besonders spannend, weil es eine Lücke schließt, die viele Fachbücher offenlassen. Es beantwortet nicht das Wie, sondern das Warum.

Gerade in Zeiten, in denen historische Kampfkünste immer populärer werden, bietet Prüwers Buch eine wichtige Reflexion:

  • über Verantwortung im Training
  • über den Sinn von Tradition
  • über die Beziehung zwischen Gegner, Partner und Selbst

Das Buch richtet sich nicht nur an HEMA-Fechter, sondern an alle Kampfkünstler, die Kampf als kulturelle und persönliche Praxis verstehen.

Die Philosophie des Treffens (und Nicht-Getroffen-Werdens)

Warum greifen Menschen im 21. Jahrhundert überhaupt noch zu einer Waffe, die militärisch längst bedeutungslos ist? Prüwer findet Antworten im Konzept des Homo Ludens (des spielenden Menschen). Er betrachtet das Fechten als eine Form der „theatralen Kunst“, die schon im Mittelalter eher zur Charakterschule und zum höfischen Spiel zählte als zur reinen Kriegskunst.


Stil, Umfang und Zugänglichkeit

Mit rund 120 Seiten ist Fight Club bewusst kompakt gehalten. Der Schreibstil ist klar, essayistisch und gut verständlich, ohne banal zu werden. Philosophische Inhalte werden nicht akademisch überladen, sondern praxisnah erklärt.

Es liefert keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Oberhäue oder Zornhäue, sondern liefert das geistige Fundament dafür.

Das macht das Buch auch für Leser geeignet, die keinen philosophischen Hintergrund haben, aber bereit sind, über Kampfkunst hinauszudenken.


Fazit: Kampfkunst beginnt im Kopf

Fight Club: Philosophie des Schwertkampfs ist ein kluges, nachdenkliches und ungewöhnliches Buch, das zeigt, dass Kampfkunst mehr ist als Technik, Wettkampf oder Fitness.

Es erinnert daran, dass jede Kampfkunst eine geistige Dimension besitzt – und dass das Schwert nicht nur geführt, sondern auch verstanden werden will.

Empfehlung für:

  • Leser mit Interesse an Philosophie, Geschichte und Körperkultur
  • HEMA-Aktive: Werden viele ihrer eigenen Erfahrungen reflektiert finden und neues Futter für die nächste Hallen-Diskussion bekommen.
  • Kampfkünstler anderer Stile: Erhalten einen hervorragenden Einblick in die Tiefe der europäischen Traditionen, jenseits von Ritterspiel-Klischees.
  • Kampfkunst-Lehrende und Trainer